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Oktober 2011 - Die beste Medizin ist der Mensch
Quelle: Der letzte Weg - Ratgeber für die schweren Stunden
Datum: Sonderveröffentlichung, Oktober 2011
Die beste Medizin ist der Mensch
Vortrag des Hospiz Ingolstadt über menschliche Begleitung Schwerkranker und deren Angehöriger
Der Verlust eines geliebten Menschen ist eine der tiefsten Wunden, die einem Herzen zugefügt werden. Die Fassungslosigkeit der Angehörigen und Freunde macht oft sehr ratund hilflos. Die Schritte, die schwer und sehr oft auch orientierungslos gegangen werden müssen, haben die Trauer- und Hospizbegleiter/in Max Neuburger und Patricia Naß des Hospizverein Ingolstadt e.V. thematisiert. Angefangen von der Geschichte der Hospizbewegung, den Aufgaben des Vereins, der Arbeit in den unterschiedlichen Trauergruppen und den Erfahrungen
beim Begleiten Schwerstkranker und deren Angehöriger, wie auch die Förderung der Hospizidee in der Gesellschaft wurden vorgestellt. Zum Eingang zeigte Neuburger die Entwicklung und Bedeutung des Hospiz auf. „Das Wort kommt vom lateinischen hospicium und bedeutet so viel wie Gaststätte“, erklärte Neuburger. Auch heute hat das Ingolstädter Hospiz „offene Türen für die Betroffenen und deren Angehörige“. Obwohl man hier mit offenen Armen empfangen und unterstützt wird, haben immer noch sehr viele Leute Angst vor dem Tod. „Aber gerade der Umgang mit dem Tod bringt Leben“, betonte Neuburger. Deshalb begleiten 80 ehrenamtliche Mitglieder die Schwerstkranken auf ihrem letzten Weg und unterstützen deren Angehörige.
Die Hospizhelfer haben das Ziel „dem Tag mehr Leben und nicht dem Leben mehr Tage zu geben“. Das bedeutet, dass die Helfer versuchen, dem Kranken die letzten Tage bzw. Wochen angenehm zu gestalten und nicht das Leben durch Medikamente schmerzhaft zu verlängern. Dabei helfen die Ärzte, die Pfleger und die Hospizbegleiter zusammen, um dem Sterbenden beistehen zu können und versuchen ihm ein würdevolles Ende zu bereiten. Denn manchmal ist es gar nicht wichtig, mit dem Kranken zu reden, sondern einfach nur zuzuhören oder für ihn da zu sein.
Wichtig sind: „Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen. Denn Vertrauen ist eine Kraft, die größer ist als man selbst“, sagte Neuburger. Nicht nur die Begleitung der Sterbenden spielt eine wichtige Rolle, sondern auch das Trösten und Unterstützen der Angehörigen nach dem Tod. Hier finden in regelmäßigen Abständen „Trauerkaffees statt, in denen sich die Betroffenen austauschen können, beraten, begleitet und unterstützt werden“, erzählte Naß. Es gibt ein spezielles Trauerkaffee für Kinder, für Betroffene nach einem Suizidfall und für verwaiste Eltern.
Das Hospiz finanziert sich durch Spenden, Stiftungen und Mitgliedsbeiträge. Die Termine für die Trauerkaffees, Informationen zur Hospizausbildung und vieles mehr finden Sie unter www.hospiz-in.de. (rm)

26/27. Juni 2010 - Wichtige Klarstellung zur Sterbehilfe
Quelle: Donau Kurier
31.10.2005 - Über Trauer und Schmerz sprechen
Quelle: Donaukurier
Datum: 31. Oktober 2005
Ingolstadt (DK) „Als gebürtiger Ingolstädter war ich 13 Jahre lang ehrenamtlich im Rettungsdienst. Immer wenn es Tote gab, hätten wir uns lieber noch um die Angehörigen gekümmert. Aber wir mussten weiter zum nächsten Einsatz“, erzählt Pfarrer Stefan Köglmeier von St. Lukas über seine Beweggründe, seit 1998 im Team der ökumenischen Notfallseelsorge mitzuarbeiten. Neben seiner Arbeit als Gemeindepfarrer hat er im wöchentlichen Wechsel Rufbereitschaft. Rund um die Uhr, sieben Tage lang. „Freitagmittag werden das Handy, das Schild Notfallseelsorge fürs Auto, die Sicherheitsweste und der Notfallkoffer übergeben.“ Und meist atmen die Pfarrer dann erstmal tief durch.
Neben dem normalen Dienst
Denn der Dienst in der Notfallseelsorge läuft neben dem normalen Gemeindedienst. Das kann bedeuten, vor einem Taufvorbereitungsgespräch, bei dem die Pfarrer doch die Freude der Eltern über ihr Kind teilen, müssen sie eventuell einem Menschen beistehen, der gerade selbst ein Kind durch einen Verkehrsunfall verloren hat. Nicht jeder – durchaus gute – Gemeindepfarrer ist deshalb gleichzeitig für die Notfallseelsorge geeignet.
Neben Köglmeier gehört von Anfang an Diakon Andreas Kopp von der Münsterpfarrei zum Team. Weitere Mitarbeiter sind auf evangelischer Seite Pfarrer Helmut Küstenmacher, auf katholischer Seite die Pfarrer Michael Neufanger, Stefan Göller, Karl Mödl und der Religionslehrer Markus Moder. „Er ist wichtig, weil er am Wochenende im Einsatz ist, wenn wir Gemeindepfarrer Gottesdienste zu halten haben“, sagt Diakon Andreas Kopp.
Er und Köglmeier kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit im Rettungsdienst des BRK und waren sofort dabei, als Rosemarie Braunhardt, Leiterin des Fachdienstes Krisenintervention des BRK-Kreisverbandes Ingolstadt, anregte, bei Einsätzen des Rettungsdienstes die Notfallseelsorge mit ins Boot zu holen. Für Kopp und Köglmeier war es relativ einfach, vor dem Hintergrund ihrer Einsätze im Rettungsdienst, sich in die Strukturen einzufügen, die bei einem Notfall laufen. „Schließlich sind vier Systeme zu koordinieren, wenn ein Notruf kommt“, erklärt Köglmeier. Die Rettungsleitstelle Auf der Schanz denkt in einem Radius von 30 Kilometern und koordiniert Feuerwehr, Arzt und Sanitäter. Der Kriseninterventionsdienst des BRK (KID) arbeitet vor Ort. In der Notfallseelsorge denkt die evangelische Seite im Dekanat, auf katholischer Seite sind drei Diözesen mit im Boot. Und alles muss schnell gehen.
„Ich habe schon unter der Reanimation und der Notversorgung einen Säugling getauft“, erinnert sich Diakon Andreas Kopp. Im Notfallkoffer sind deshalb neben Gebetstexten, die konkret auf Krisensituationen eingehen, auch ein Kreuz und Weihwasser. Wobei für Andreas Kopp der Unterschied zum Einsatz in der Notfallseelsorge zum Gemeindedienst ist, dass er in eine Krisensituation zunächst „als Mensch“ kommt und nicht als Kirchenamtsträger. „Als Mensch mit einem Gesprächsangebot“, wie Stefan Köglmeier bestätigt. Meist kommen spontan Fragen wie „Warum gerade ich, warum unsere Familie?“ Und an die Vertreter der Kirchen auch „Warum lässt Gott dies zu?“ Die Notfallseelsorger zeigen dann in dieser gottverlassenen Situation, dass die Menschen nicht allein sind. „Wir zeigen, dass Gottes helfende Hände da sind“, sagt Andreas Kopp. Und wenn sie gehen, bieten sie an wieder zu kommen. „Immer wieder sind die Menschen froh, noch einmal mit demjenigen sprechen zu können, der in der Notsituation für sie da war“, sagen die Geistlichen.
Meist private Krisen
Meist sind es private Krisen, individuelle Einzelfälle, zu denen sie gerufen werden: plötzliche Todesfälle, der Selbstmord eines Angehörigen, die Überbringung einer Todesnachricht nach einem Unfall zusammen mit den Polizeibeamten. Doch die Großschadenslagen nehmen zu, sagt Rosemarie Braunhardt. So waren die Notfallseelsorge und KID beim Pfingsthochwasser 1999 im Einsatz und bei Busunfällen auf der nahen Autobahn, wenn neben den Verletzten auch die nicht verletzten Businsassen betreut werden müssen.
„Wir haben es immer mit traumatisierten Menschen zu tun“, sagt Rosemarie Braunhardt. Vor neun Jahren hat sich der Ingolstädter Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes mit der Krisenintervention und Notfallseelsorge beschäftigt. Ausschlaggebend war das ungute Gefühl der BRK-Sanitäter, nach der Erstversorgung die Angehörigen zurückzulassen. „Seit acht Jahren sind wir aktiv. Unser Fachdienst war ein Pilotprojekt, der erste in Bayern“, erzählt Rosemarie Braunhardt. Dr. Monika Dorfmüller, Leitende Psychologin am Klinikum München Bogenhausen, hatte die Standards für die heutige Ausbildung erarbeitet. Mittlerweile sind von den 20 Mitarbeitern des Ingolstädter Teams 15 zertifiziert.
Während die Notfallseelsorger allein kommen, gehen beim KID die Mitarbeiter grundsätzlich zu zweit zu den Menschen. „Einer von uns kümmert sich um die Erwachsenen. Der zweite um die Kinder“, erklärt Rosemarie Braunhardt eine wiederkehrende Situation. Oft genug würden die Kinder aus Vorsorge von den Erwachsenen falsch behandelt, nämlich ins Kinderzimmer geschickt. „Die haben aber meist schon mitbekommen, dass der Arzt oder Sanitäter da war und wollen wissen, was passiert ist.“ Im Notfallkoffer des KID sind deshalb immer Buntstifte und Papier. Kinder können Krisen mit Zeichnungen spontan bearbeiten.
Aber anders als die Notfallseelsorger kommt der Kriseninterventionsdienst kein zweites Mal wieder. „Wir geben dem Chaos, auch dem gefühlsmäßigen, eine Struktur. Dafür bleiben wir auch lange genug vor Ort“, beschreibt sie ihre Arbeit. Dafür geben sie Adressen von Selbsthilfegruppen und Vereinen wie dem Hospizverein weiter. Länger betreut hat das BRK nur die Angehörigen des Seebebens in Asien vor einem Jahr. „Bis jetzt werden noch nicht identifizierte Leichen gefunden. Viele Angehörigen warten immer noch auf die Gewissheit“, begründet sie dieses Engagement. Erst Ende dieses Jahres werden sich die Angehörigen nur noch in selbstständigen Gruppen treffen.
